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Freispitze 2884 m

am 22.9.2013 begonnen und am 19.8.2018 beendet

Teilnehmer: Hofmann Joachim und Decker Claudius

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Bereits 2013 hatte die Ortsgruppe den Gipfel im Visier und brach die Tour wegen Schnee und Zeitmangel ab. Gleichwohl ergab sich ein guter Einblick in die außerordentlichen Anforderungen. Im Internet wird diese Unternehmung gleichwertig mit dem Jubiläumsgrat auf die Zugspitze genannt und sogar als noch wilder bezeichnet.  Claudius und Joachim steigen vom Talort Flirsch die 1100 Höhenmeter in 2,5 Stunden zur Ansbacher Hütte rauf. Nach einem angenehmen Hüttenabend beginnt der nächste Morgen schon um 5.00 Uhr früh. Kaffee aus der Thermosflasche und mitgebrachter Kuchen reichen als Frühstück. Abmarsch noch im Dunkeln um 5.25 Uhr früh. Zwei Jöcher sind zu überschreiten, bis nach 70 Minuten Gehzeit kurz vor der Grießlscharte die Weglosroute beginnt.

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Steil hinauf zum Rotspitzjoch, die erste Felsstufe (Ier) überklettern und durchs Steintrümmerfeld lavieren bis die lang gezogene Felswand der Rotspitze den Weiterweg versperrt. Am linken Rand der Felswand gibt es eine mit Steinmandl markierte Aufstiegsmöglichkeit. An der kniffligen Zwei Plus Schlüsselstelle zögert Joachim und möchte in der Wandmitte seine Route aus dem Jahr 2013 wiederholen. Ein Stück klettern die Bergkameraden hoch, bis splittrige Felsteile ausbrechen. Der Rückzug gestaltet sich schwierig und drei Triangel in Joachim `s Berghose dokumentieren diesen grenzwertigen Versuch. Auch an einer weiteren Stelle gelingt der Durchbruch nach oben nicht. Es bleibt nur der Tourabbruch oder doch die mit Steinmandl markierte II+ Stelle zu überwinden. Die Beiden schaffen es und stehen kurz darauf am Rotspitzgipfel.

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Nächstes Ziel ist die Rotplatte 2831 m mit Zwischenabstieg in eine Scharte. Gratfelsen und ein Schutthang links von einem roten Felsturm sind im relativ einfachen Gelände zu passieren. Was jetzt folgt, stellt höchste Ansprüche an die Trittsicherheit der Bergsteiger. Anfangs noch am Grat und dann hinein in die äußerst steile und brüchige Mergelflanke der Rotplatte, um die Freispitzscharte auf 2600 m zu erreichen. Schon jetzt schaudern Joachim und Claudius bei dem Gedanken da wieder hoch zu müssen. Direkt an der Felswand der Freispitze kann über eine felsige Rinne zu einem 50 Meter tiefer liegenden, begrünten Band abgestiegen werden. Das führt zu einer schrägen Platte und in Nachfolge auf eine Felsrippe. Diese lässt sich gut klettern (II) und bringt die Bergkameraden in ein wüstenhaftes Hochkar, das steil und steiler nach oben führt. In einer Wasserrinne – anfangs leichter – wird es weiter oben immer mühsamer. Alles nimmt ein Ende und dann ist der Gipfel geschafft. Es ist 10.15 Uhr. Nebel in den Tälern und unzählige Gipfel ringsum prägen die Szenerie. Joachim und Claudius stehen völlig allein auf einem Berg, der nur selten Besucherhält.

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20 Minuten Aufenthalt müssen reichen, denn nach dem Abstieg von der Freispitze müssen noch die Rotplatte und Rotspitze in umgekehrter Reihenfolge überschritten werden. Drei Kreuze machen die Bergkameraden nach dem äußerst anstrengenden Durchstieg der Mergel- und Schuttflanke hinauf zur  Rotplatte. Besser läuft es zum Rotspitzgipfel. Lediglich die knifflige II+ Stelle im Abstieg fordert nochmal höchste Konzentration. Dann nehmen die Schwierigkeiten sukzessive ab und nach Erreichen des Wandersteig `s können sich Joachim und Claudius gratulieren. Eine Bergtour, die ihresgleichen sucht, ist geschafft. Schnell eilen die Beiden zur Hütte um mit einem frisch gezapften Bier auf den Erfolg anzustoßen. Ein Knieschnackler sind die 1100 Höhenmeter runter nach Fliersch schon und das teils im Regen. Es geht nach Hause mit Einkehr beim Italiener in Ohlstadt. Enttäuschend, weil es das dunkle Ettaler Bier wegen einem Defekt an der Zapfanlage nicht gibt.

Die Anforderung des Tages in Zahlen: 1400 Höhenmeter bergauf, 2500 Höhenmeter bergab, dazu 4,5 Stunden Autofahrt. Kurz nach 22.00 Uhr zu Hause.

Berg Heil

Hofmann Joachim