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Trettachspitze 2595 m 15.08.2020 Teilnehmer: Wirth Roland und Hofmann Joachim So ein Traumberg, wie das „Allgäuer Matterhorn“, kann schon viel Mühe und Aufwand kosten, bis er sich realisieren lässt. Schon letztes Jahr scheiterte er am schlechten Wetter. Und es kostet ordentlich Geld, wenn die Vorauszahlungen an die Hütten Holiday verfallen. Diesmal sogar, obwohl die beiden Bergsteiger wetterbedingt nur einen Tag nach dem gebuchten Termin am Waltenberger Haus eintreffen. Die 45 € sind futsch. Damit kalkulieren die Allgäuer Hüttenwirte. Kundenfreundlich geht anders. Im Rucksack befindet sich neben der Kletterausrüstung auch ein richtiger Schlafsack für die Übernachtung. Denn im Lager gibt es keine Decke und kein Kopfkissen. Weil es beim Aufstieg regnet, führt Joachim einen Regenschirm mit und dazu auch noch das 50 Meter Bergseil. Kein Wunder, dass er nach knapp 1200 Höhenmeter Aufstieg ziemlich groggy ankommt. Die nasse Kleidung muss komplett gewechselt werden – man schwitzt halt auch von innen. Jetzt steht einem angenehmen Hüttenaufenthalt nichts mehr entgegen. Die Halbe Bier kostet € 4,90 – aber man gönnt sich ja sonst nichts. Am nächsten Morgen ist der Himmel wolkenlos und in Hüttennähe grasen zwei kapitale Steinböcke. Es müsste also mit dem ehrgeizigen Ziel Trettachspitze klappen. Das wäre am Tag vorher nicht möglich gewesen. 1,5 Stunden unterhalb der Hochfrottspitze und der Mädelegabel traversierend, erreichen Roland und Joachim den Einstieg zu ihrem Bergziel. Unterwegs ist auf 50 Meter Länge der Bergpfad weggebrochen und die steile Schuttflanke muss wegen Abrutschgefahr vorsichtig passiert werden. Der nicht benötigte Teil aus den Rücksäcken wird hinter einem Felsblock deponiert.

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Mächtig und unbesteigbar erscheinend baut sich die Gipfelpyramide vor den Freunden auf. Am Wandfuß angekommen muss eine steile Felsflanke im Zickzack geklettert werden um über die günstigste Linie auf den Nordostgrat zu gelangen. Technisch nicht leicht, weil man schnell von der IIer zur IIIer Schwierigkeit wechselt.

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Am Grat erwartet die Bergsteiger Pläsier Kletterei – sehr ausgesetzt, aber wunderschön. Es flutscht. Und die III- Stelle aus dem Blodigkessel steigend ist auch kein Problem. Kurz darauf stehen Joachim und Roland am Gipfel.

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Eine tolle Sicht auf die benachbarten Gipfel und hinunter ins Grün der Allgäuer Täler erfreut die Beiden. 20 Minuten später soll der Abstieg beginnen. Die Beschreibung aus dem Internet ist unpräzise und sogar irreführend. Erste Versuche erweisen sich als Sackgasse. Der nachfolgende Bergsteiger Andreas zeigt den Freunden die richtige Route. Den Nordwestgrat geht es nun immer steiler nach unten. Er lässt sich aber erstaunlich gut klettern (Zweier) und während Roland sich an zwei Stellen abseilt, folgt Joachim dem klettererfahrenen Andreas seilfrei. So gelangt Joachim schneller an den Wandfuss als Roland, zumal dieser auch Orientierungsprobleme im plattigen unteren Teil der Felswand hat. Die Anspannung weicht einem Gefühl der Freude und die Freunde können stolz auf ihre Leistung sein. Über die mit Blumen übersäte Märchenwiese beginnt der Abstieg nach dem Gasthaus Einödsbach, wo es gutes Zötler Dunkelbier gibt. Und sich nach 1700 hm Abstieg auch gleich wieder regenerieren kann.

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Die Heimfahrt verläuft staufrei in Gedanken an eine außergewöhnliche Bergtour. Berg Heil Hofmann Joachim