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Karwendel extrem

24.06. bis 26.06.2015

Teilnehmer: Feuerer Hans und Hofmann Joachim

Es ist logistisch nicht ganz einfach zentrale Karwendel Gipfel zu besteigen. Meist sind pro Berg 2 Tage einzuplanen. Joachim hat nun eine Route ausgearbeitet, bei der binnen 3 Tagen 5 Gipfel möglich sind. Die Mehrzahl davon weg los und sehr anspruchsvoll. Der erste Tag beginnt in Scharnitz um 7.18 Uhr früh. 3 Stunden dauert die Wanderung zur Kastenalm. Hier trennt sich Joachim vom Hans, der jetzt zur Hallanger Alm aufsteigt. Gut 250 hm sind absolviert und noch weitere 1450 hm zum Tagesziel Grubenkarspitze, 2661m, stehen bevor. Eine gute Gehstunde später hat Joachim mit nur geringen Höhengewinn den Talschluss des Roßloch errreicht. Ein Pfad führt hinauf zum Hinteren Boden des Roßloch und später weg los über wellige Wiesenrücken. Lange dauert es, bis das Gelände immer steiniger wird und erste Schneefelder auftauchen. Den Gipfel im Blick spurt Joachim über mehr oder weniger steile Schneeflanken – immer wieder von Felseinsprengsel unterbrochen. Am Joch zwischen Roßlochspitze und Grat zum Endpunkt ist Joachim schon ziemlich geschafft. Meist über trittarme, stark geneigte Platten auf Reibung gehend scheint das Ziel schon sehr nahe. Dann die Überraschung: Erst ganz weit hinten rückt die Grubenkarspitze mit Kreuz ins Blickfeld. Um dahin zu gelangen ist ein ausgesetzter Grat mit Kletterstellen I zu passieren. Trotz bewölkten Himmel mit Lücken in der Wolkendecke ist die Sicht sehr gut. All zulange verweilt Joachim nicht, denn es ist schon später Nachmittag. 15.18 Uhr. Der Abstieg zieht sich analog zum Aufstieg entsprechend lange. 19.25 Uhr wieder auf der Kastenalm und nach einer Viertelstunde Pause Abmarsch zur Hallanger Alm.

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 Langsam, mühsam. Um 21.40 Uhr haben die Strapazen ein Ende und Joachim ist ziemlich erschöpft. Bei fast 40 km Strecke und 2300 hm auch kein Wunder. Es gibt Speckknödelsuppe und 1 Maß Bier. Hans hatte sich schon ein bisschen Sorgen gemacht, aber jetzt können sich die Beiden ins Nachtlager zurückziehen. Während Hans andern tags zur Pfeishütte hinüber wandert, möchte Joachim vor Ort auf die 2601m hohe Gamskarspitze. Die Beschreibung des Mark Zahel empfiehlt am Brunnentrog ab zu zweigen und von dort den Latschengürtel zu passieren. Aber wo? Improvisierend schlüpft Joachim durch den dichten Bewuchs – immer wieder mal in tiefster Gangart. Später einem Steig rechts querend folgen bis zu einer Lichtung, um dann erneut durch Latschen zu schlüpfen. Über ein Terrain mit geringerem Bewuchs gelingt schließlich der Durchbruch zu einem grasigen Steilhang. Im oberen Bereich weicht das Grün zunehmend dem stein-grau eines steilen Geröllfeldes. Eine 50 Meter hohe Felsstufe gilt es noch rauf zu klettern und Joachim steht am Grat, in dessen Verlauf es zur Gamskarspitze geht. Rucksack ablegen und weiter steigen. Bald versperrt ein zerklüfteter Gratturm den Weiterweg: Also ausweichen und rechts tiefer klettern, um später wieder auf den Grat zu gelangen. Die klettertechnischen Anforderungen tendieren zum IIIer und 15 Meter über einem schneebedeckten Hang ist klar:  Ein Verhauer. Wieder hinauf zum Grat, den Rucksack holen und die Aufstiegsroute ab klettern. Querung dann 30 Meter unter den Felsen, da der Steilschnee beinhart gefroren ist. Eine Dreiviertelstunde Zeitverlust. Erneut hinauf zur Gratschneide und über einen Vorgipfel unschwer zum Gipfelziel. Nur kurze Zeit bleibt für die grandiose Rundschau. Beim Abstieg ist es fraglich, ob der verzwickte Durchstieg im Krummholz gefunden werden kann. Joachim geht auf Nr. sicher. Eine Bachschlucht abzusteigen müsste funktionieren. Ist zwar wegen einiger, rutschiger Felsstufen nicht ganz einfach, klappt aber ganz gut. Eine halbe Bier auf der Alm gönnt sich Joachim noch, wandert hinauf zum Lafatscher Joch und gleich weiter über den Wilde Bande Steig zum steilen Stempeljoch. Die Pfeishütte wäre jetzt nur noch eine knappe Gehstunde entfernt. Aber wenn es sich gerade anbietet: Die kleine, 2529m hohe, Stempeljochspitze muss es noch sein. Und es lohnt sich. Nicht nur wegen der tollen Aussicht, sondern auch wegen dem kapitalen Steinbock nebst einigen Gämsen. Joachim kann sowohl rauf wie runter schöne Fotos knipsen und ist sehr zufrieden. Kurz nach halb sieben ist die Hütte erreicht. Jetzt gemütlich ein Bierchen trinken und etwas essen, dann sind die Strapazen des Tages - immerhin 1900 hm – bald vergessen. Nach einem hervorragenden Frühstück folgt der dritte Akt. Hans macht auf dem Weg nach Scharnitz in der Möslalm Pause und wartet auf Joachim. Der hat noch was vor. Ca. 100 hm unterhalb der Hütte zweigt ein unscheinbarer Pfad ab und führt entlang der Felsausläufer der Sonntagskarspitze hinüber ins Kaskar. Im oberen Teil des Hochtals steigt Joachim durch Schrofen und später im Fels in leichter Kletterei auf den Grat, der zur 2580m hohen Kaskarspitze führt. Wiederum eine tolle Aussicht; unter anderem der ausgesetzte Grat zur Bachofenspitze (2013 begangen). Geht da noch was? Nach 500 hm Abstieg trifft Joachim auf eine Verzweigung. Der Pfad führt entgegengesetzt zur Aufstiegsroute unter dem Südgrat der Kaskarspitze hinüber ins Praxmarerkar. Eine erste Kletterstelle leitet hinauf zu einem auffallenden Schuttband und mittels erneuter Kletterei gelangt der Bergsteiger auf einen Grat. Nun noch die Gipfelpyramide der 2636m hohen östlichen Praxmarerkarspitze erklimmen und es ist geschafft. Kurze Pause und letztmals die tolle Rundsicht genießen. Jetzt beginnt der sich lange hinziehende Abstieg, gewürzt mit 200 hm Gegenanstieg. Stramme 2 Stunden sind es vom Hüttenweg dann noch zur Möslalm, wo ja Hans wartet. Essen, trinken und ausruhen. Ist nach den vorangegangenen 1500 hm Aufstieg und 2100 hm Abstieg auch redlich verdient. Glücklicherweise gibt es hier Mountain Bikes zum ausleihen und so bleibt Hans und Joachim der 3 Stunden Hatscher nach Scharnitz erspart. Das Radeln macht Spass und gegen 20.00 Uhr ist die Tour zu Ende. Die Heimfahrt verläuft störungsfrei und 3 Stunden später sind die beiden Bergsteiger wieder zu Hause. Eine tolle Tour, die aber so nicht wiederholt werden muss.

Berg Heil

Hofmann Joachim