kurse_sommer.jpg

08 6 Foto Simek xu1vUPJejpeg

Vom 27. 06. bis zum 01.07.2019 verbrachten wir ein paar sehr schöne und erlebnisreiche Tage im Salbit-Gebiet in der Schweiz. Im Rahmen einer Sektionstour waren wir drei Tage Bergsteigen und sind über 40 Seillängen im besten Granit geklettert. Dazu eine hervorragende Hütte, bestes Wetter und eine tolle Gruppe. Hier ein paar Impressionen dazu. (Ludwig Simek)

Heute Morgen am Frühstückstisch war meine Motivation und Vorfreude noch groß, heute die Incredibile 6a - mit 5/5 Sternen bewertet - klettern zu dürfen. Eine etwa 270 Hm steile 6-Seillängen-Route.

Aber gerade in diesem Moment, am Ende der zweiten Seillänge mit schon gut 90 m Luft unter den Sohlen – welche aufgrund der aufgeheizten Granitplatten wie Herdplatten glühen – ist von diesem anfänglichen Elan nicht mehr viel übrig. Meine Gedanken kreisen viel mehr um die letzten 30 m unter mir. Ich denke an die spärlichen Haken, welche mich über wulstige Reibungsplatten zielstrebig immer weiter von meinen Kameraden am Standplatz weggeführt haben, und die kleinen Griffe, die mir Meter um Meter die Kraft aus den Fingern gezogen haben. Mein Blick bleibt nochmals am letzten Haken 3 m unter mir hängen, bevor ich wieder hinaufblicke. Die kurze Verschneidung dieser Stelle öffnet sich nun und geht in einen feinen 2-m-Fingerriss über, der dann als dünne Untergriffschuppe nochmals eineinhalb Meter nach rechts zieht. An seinem Ende blitzt der sehnsüchtig erwartete Bohrhaken. Mir ist bewusst, ein alpiner Sturz an dieser Stelle wird weit. Beherzt presse ich die geschundenen Fingerkuppen in den Riss vor mir und kämpfe ihm Stück für Stück ab. Den rettenden Haken zu meiner Rechten fasse ich mit den Fingern der rechten Hand in die Untergriffschuppe, die weniger hergibt als erwartet, und stelle den Fuß ebenfalls auf die steilen Platten dieser Seite an. Die Fußsohlen und Waden krampfen, und meine Kräfte schwinden mehr und mehr.

Mit pochendem Herzen und zittrigen Fingern schiebe ich einen kleinen Camelot C4 0.4 unter die Schuppe und klippe – sieht nicht vielversprechend aus... Etwas beruhigt greife ich mit beiden Händen die Untergriffe, stelle die Füße auf die Platte und schiebe den Körper nach.

Aber was nun, wie weiter? Den Haken klippen geht immer noch nicht. Sofort geht der Puls wieder hoch, die Füße fangen an zu zittern und es bleibt keine Zeit mehr sich zu entscheiden. Es passiert. Fast zeitgleich verabschieden sich die Schuhsohlen von ihren Tritten. An ein Halten ist nicht mehr zu denken. Nach dem Bruchteil einer Sekunde sitze ich im Gurt und starre etwas perplex den letzten Haken vor mir an. Der Friend hat tatsächlich seinen Dienst erfüllt und den unangenehmen, deutlich weiteren Fall gebremst. Langsam beruhige ich mich wieder - was bleibt mir anderes übrig – und greife wieder an.

Auch mir bleibt kurz das Herz stehen, als ich den Sturz aus sicherer Entfernung vom Stand beobachte und halte. Aus eigener Erfahrung male ich mir aus, so oder so ähnlich wird sich der Vorsteiger beim Klettern der Stelle gefühlt haben. (Bastian Arnold)

Tag 3:
Nachdem wir uns tags zuvor schon an den Granit gewöhnt haben und uns in der "Incredibile" eingeklettert hatten, ging es am Samstagmorgen auf in Richtung Hüttengrat. Das Standplatzbauen-auf-Zeit-Training vom Vorabend zeigte nun seine volle Wirkung: Wir kamen gut und schnell voran und genossen wunderbarste Granitkletterei. Oben angekommen hatten wir zumindest schon einmal ein Gefühl davon, wie viel Zeit wir einplanen müssen für den Südgrat, der am nächsten Tag anstehen sollte. Es folgte der Abstieg per Abseilen und dann über ein Schneefeld zurück zur Salbithütte. Vorbei ging es am relativ neuen Klettergarten, und weil wir ja so schnell unsere Standplätze gebaut hatten (der Rekord war übrigens ca. 30 Sekunden), blieb vor dem Abendessen tatsächlich noch genug Zeit für ein bis zwei Sportkletterrouten.
Fazit: Der Hüttengrat ist eine tolle Einstiegstour. Trotz relativ einfacher Kletterei hat man genug Luft unter den Sohlen und das volle Programm des Mehrseillängen-Feelings! (Julia Steimer)

Die Vorfreude auf den berühmten Südgrat hinauf auf den Salbitschjien war riesengroß und meine Erwartungen an die Kletterei meiner ersten alpinen Grat-Überschreitung wurden um Längen übertroffen. Da wir an diesem sonnigen Tag jedoch nicht die einzigen Kletterer in der Route waren (und Anja uns stets knapp auf den Fersen war), hatten wir an den Standplätzen genügend Zeit, um das Panorama der Schweizer Alpen in vollen Zügen zu genießen. Der krönende Abschluss der Besteigung war die letzte Seillänge auf den ausgesetzten Gipfelzahn, ehe wir uns nach einer erfolgreichen Tour in Richtung Hütte zum Abendessen aufmachten. (Johannes Schlögl)

Foto vom Trainer: Ludwig Simek