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Das Coronavirus hatte die Kontakte auch der Gruppe 50 Plus über Monate hinweg arg erschwert. Umso größer war die Freude bei allen Beteiligten , dass unsere Sommerveranstaltung in Zwieselstein auch dieses Jahr stattfinden konnte. Die Inzidenzwerte waren niedrig, Tirol freute sich über jeden Gast und auch der Sektion sind besuchte Hütten lieber als leere. Was sollte uns da noch aufhalten!

Die Anfahrt in kleinen Fahrgemeinschaften war exakt für den Tag geplant, an dem nach langen und heftigen Regenfällen  von vielen Orten am nördlichen Alpenrand „Land unter“ gemeldet wurde. Mit Hilfe von Navi, Landkarte, Google Maps, gegenseitigen Tipps und Warnungen über die Gruppen-App und sogar Anrufen bei regionalen Polizeidienststellen versuchte jede Fahrgemeinschaft sich nach Zwieselstein durchzuschlagen. Viertelstündlich änderten sich die Meldungen: Walchensee, Leutasch, Kufstein, Scharnitz, Telfs, Fernpass. Es kam darauf an, rechtzeitig vor einer Sperrung oder bei einer kurzzeitigen Öffnung durchzuschlüpfen. Trotz Wasserdurchfahrten und zum Teil haarsträubenden Umwegen, saßen dann am Abend doch alle zusammen vor einem dampfenden Eintopf und überboten sich in der Schilderung überstandener Abenteuer.

Der nächste Tag brachte neue Horrormeldungen. Ein umfangreicher Erdsturz kurz hinterm Dorfende von Zwieselstein hatte Straße und Wanderweg nach Obergurgl und zum Timmelsjoch verschüttet. Unsere von Obergurgl aus geplanten Bergunternehmungen waren damit nicht mehr durchzuführen. Die Widrigkeiten waren damit noch nicht zu Ende, hielten sich aber eher im alltäglichen Rahmen: Der nicht enden wollende Hubschrauberlärm einer Höhenbaustelle am Gaislachkogel begleitete akustisch auf sehr unmelodische Weise eine unserer Touren. Ähnlich ist sicher auch die diesmal optische Störung  durch den Anblick der Retorten-Siedlung Hochsölden zu bewerten, die in ihrer atemberaubenden Häßlichkeit schon wieder faszinierend wirkt. Ob Nudelgerichte an drei aufeinanderfolgenden Tagen als Widrigkeit bewertet werden kann, ist zurecht eine Geschmacksfrage.

Reichliche Entschädigung für all die Unbill leistete ein stabiles Hochdruckgebiet, das uns 7 herrliche Sonnentage bescherte und das uns ermöglichte, jeden Tag unterwegs zu sein. Differenziert nach Leistungsvermögen und Neigung bildeten sich jeden Morgen die Kleingruppen für den Tag. Viele schöne Bergwanderungen, einige Gipfel an der Dreitausender Grenze und spannende Stunden im Klettergarten und auf Klettersteigen waren unsere alpinistische Ausbeute.

Das, was uns aber die ganze Woche über begleitete, waren die Gedanken an ein sehr geschätztes  Mitglied der Gruppe 50 Plus, das genau in dieser Woche sich einer lebensbedrohlichen Operation unterziehen musste. Erst nach unserer Heimfahrt kam die erlösende Nachricht, dass alles gut überstanden sei. Nächstes Jahr wird Henner wieder dabei sein.

Ludwig Sicheneder