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Eisgipfel am Äquator ...war das Motto der Jubiläumstour nach Ecuador zur Feier unseres 150-jährigen Bestehens.

Ursprünglich sollte die Tour ja bereits 2020, im richtigen Jubiläumsjahr, stattfinden, aber ein kleiner Virus hat uns zum Umplanen gezwungen. So starteten wir dann halt am 29.11.21, im 151. Jahr der Sektion Regensburg, mit 17 Teilnehmern. In Quito, der Hauptstadt Ecuadors angekommen wurden wir von Marco Cruz persönlich abgeholt und fuhren über irschenbergreske Stadtautobahnen zum Hotel. Am nächsten Tag passten wir uns mittels Stadtbesichtigung über den Denkmalhügel, der kolonialen Altstadt inklusive sämtlicher Kirchen und dem Äquatormuseum zum ersten Mal an die Höhe an. Da Quito bereits auf 2850 m liegt, war selbst der Stadtrundgang erstmal anstrengend.

Ruccu_Pichincha-Gruppe_web.jpgRuccu Picchincha - Quitos HausbergAuf Quitos Hausberg

Am dritten Tag unternahmen wir bereits die erste Akklimatisationstour auf den Hausberg von Quito, den Rucu Pichincha. Aufgrund seiner Höhe von 4.696 m bereits eine erste Herausforderung und sehr leichte Kletterpassagen haben halb in Trance eine andere Note. Langsames Gehen will gelernt sein. Fast alle hatten nun Bekanntschaft mit ersten Höhensymptomen gemacht. Den folgenden Erholungstag nutzten wir zur Fahrt über die Panamericana zur Illiniza Lodge. Die schneebedeckten Bergriesen Ecuadors waren ständige Begleiter. Nach Zimmerbezug und Mittagessen in der Lodge auf 3.700 m brachen wir zu einer kleinen Wanderung auf. Zurück in der Lodge wurde das Equipment für den nächtlichen Aufstieg zum Illiniza Norte gecheckt und die Tour besprochen.

Abstieg vom Cotopaxi webAbstieg vom Cotopaxi.Auf den Illiniza Norte

Um 2:00 Uhr morgens war Tagwache angesagt. Frühstück um 3:00 Uhr und los mit Jeeps offroad auf 4.000 m, von wo wir abmarschierten. Gegen 6:00 Uhr war es nach kurzer Dämmerung gleich taghell und der Cotopaxi stand wolkenfrei vis a´vis vor uns. Nach langem Anstieg zum Refugio auf 4.700 m, ging es nach einer Stärkungspause über den Grat zum Illiniza Norte. Unsere Guides legten an einigen Stellen geschwind Fixseile während wir teilweise wie Walrösser schnauften. Über schöne Coloirkletterei erreichten wir den Gipfel in 5.100 m. Übrigens, Marco war die ganze Zeit dabei und sollte es auch bis zum Schluss der Reise bleiben. Und das mit fast 77 Jahren. Großen Respekt. Unser erstes großes Ziel war gemeinsam erreicht. Der nächste Umzug stand an. Gegen 8:00 Uhr morgens fuhren wir hinüber zum Fuß des Cotopaxis. Über eine Sandpiste gespickt mit Erosionslöchern ging es hinauf zum Parkplatz auf 4.600 m, von wo wir die restlichen Höhenmeter zur Ribas Hütte auf 4.800 m zwecks weiterer Akklimatisation aufstiegen. Weiter ging es zum Gletscher für Trainingseinheiten in Geh- und Sturztechnik. Abstieg und Beziehen der Tambopaxi Lodge.

Sonntag 5.12. 8:00. Frühstück, Einteilung der Seilschaften plus Guide für den Cotopaxi.

Hochlager1.1_web.jpgHochlager CotopaxiVorbereitung auf den Chimborazo

Erneut rauf zur Ribas Hütte, letzten Instruktionen von Marco und dann war Ruhen angesagt. Um 23:00 Uhr gings los. Kleines Frühstück, Rucksack auf und raus in die Nacht. Im Schein der Stirnlampen wurden bald die Steigeisen angelegt und weiter ging es in den Seilschaften. Gegen 6:00 Uhr waren die ersten auf dem Gipfel und wir konnten die Quelle des Schwefelgeruchs – ein tiefer Krater – bestaunen. Gemeinsam feierten wir unseren tollen Gipfelerfolg. Beim Abstieg durch die beeindruckende Gletscherwelt mit Eisnadeln, Seracs und Brüchen begleitete uns die Morgensonne zurück zur Hütte. Nach kurzer Stärkung – war das der Grund für die Übelkeit, die uns die nächsten Tage ereilen sollte? – ging es zur Lodge von Marco Cruz. Die Lodge liegt am Südrand des Chimborazo und die Häuser sind liebe- und stilvoll eingerichtet. Im musealen Haupthaus durften wir die nächsten Tage speisen und gemütlich zusammensitzen.

Äquator webAm Äquator.Dienstag 07.12.21: Auf den höchsten Punkt der Erde
Nach dem Frühstück ging es für die noch nicht von Magen-Darmproblemen geplagten Rest auf gemütliche Wanderung rund um die Lodge. Weitere Teilnehmer beklagten Flauigkeit im Magen. Nun ging im Geist die Suche los, wo und was wir uns eingefangen haben. Trotz aller Angeschlagenheit sind die Tischgespräche immer wieder Schmankerln: „Ecuadorianer sind etwas fester gebaut, klein und gedrungen, frei nach Stefan: Kampfkugeln“. Den Nachmittag nutzten wir zum Ruhen und zur „Alpakabeobachtung“. Nach dem Frühstück zählten wir die Fitten und zogen mit reduzierter Mannschaftsstärke, erst per Bus bis kurz unter die Whimper Hütte und dann drei Stunden zu Fuß zum Hochlager auf 5.300 m los, um dieses einzurichten und danach wieder abzusteigen.  

Der nächste Tag, unsere Anzahl hatte sich leicht verbessert, diente dem erneuten Aufstieg ins Hochlager. Dort bezogen wir die Schlafplätze in den Zelten und packten für den Gipfel. 16:30 Abendessen und letzte Instruktionen wobei wir schon eine gewisse Unsicherheit der Guides vernahmen, was sich auf der Tour leider bewahrheiten sollte. Wir einigten uns aufgrund der Schneelage darauf, früher zu starten. Um 23:00 Uhr gingen wir, mehr oder weniger fit, los. Der Anstieg stand unter keinem guten Stern. Während des Weggehens hörten wir bereits eine Lawine zu Tal donnern, dann ging es stetig über eine lange Traverse, Kletterstellen und steilen Hängen stetig nach oben. Die Höhenmeter wollten trotz der Anstrengung nicht schmelzen.

Gipfel_Cotopaxi_2_web.jpgAm Gipfel des Cotopaxi.Reduzierte Mannschaft am Gipfel

07:00 Uhr morgens war aufgrund der Lawinengefahr als Point of Return festgelegt. Bei ca. 5.900 m wurde der Hang immer instabiler. Wir gruben mehrere Schneeprofile und stellten jedes Mal fest, dass die Schneedecke abrutscht. Nur eine Gruppe von uns war bereit über diese kritischen Stellen zu gehen. Der Rest, manche mussten bereits vorher aufgrund der Krankheitstage umdrehen, mussten nun leider abbrechen. Aber es war einfach zu gefährlich. Gott sei Dank kamen auch unsere Gipfelstürmer heil wieder im Hochlager an und so konnten wir, geschlossen absteigen.

Übergabe Bierkrug Rgbg webMarco Cruz bekommt einen Regensburger Bierkrug.Nun begann der gemütliche Teil der Reise. Marco zeigte uns Riobamba und wir konnten landestypische Mitbringsel einkaufen. Anschließend ging es zu Cruz‘ Landsitz, wo wir Marcos museales Haus bestaunen durften. Mit Pisco sauer wurden wir herzlich von seiner Frau und Tochter empfangen. Wir stärkten uns bei einem feinen Mittagessen und wurden bestens mit Bier, Wein und Piso versorgt. Wir bekundeten uns gegenseitige Wertschätzung, tauschten Gastgeschenke aus und planten bereits die nächste Expedition zum Chimborazo vor. Abends ging es zurück zur Lodge zum Urlaubsausklang und Verabschiedung der Galapagos-Reisenden. Für die einen ging es sofort über Quito, Guayaquil und Amsterdam nach Hause für die anderen später.

Abschließend ist festzustellen, es war eine absolut gelungene Jubiläumstour mit großartigen Erlebnissen und einer super Truppe. Mit dem Chimborazo haben jetzt noch eine eigene Rechnung offen. Mal sehen, ob wir 2023 diese begleichen können.

Hansjörg Baurecht und Stefan Nargang