kurse_sommer.jpg
HE-AK2-01 vom 05.07. - 08.07.18

Selbständige Durchführung von Gletschertouren

Mittwoch, 04.07.2018
Die Vorbereitung für den anstehenden Kurs läuft. Neben der Packliste studiert der strebsame Kursteilnehmer natürlich auch den Wetterbericht: Morgen gibt’s eine Gewitterwahrscheinlichkeit von 75 %. Übermorgen sind’s nur noch 40 %, dafür aber ist Dauerregen gesichert. O weh!
Donnerstag, 05.07.2018
Wir fahren gemeinsam ins Zillertal und steigen vom Stausee Zillergrund zur Plauener Hütte auf. Das angekündigte Gewitter bleibt erfreulicherweise aus, nass werden wir aber trotzdem. Eine etwas längere Regenpause nutzen wir, um noch vor dem Abendessen an einem Felsen in der Nähe der Hütte unsere Seiltechnik zu wiederholen und aufzufrischen. Prusiken und Abseilen, das klappt bei allen noch ganz gut und wir sind recht zufrieden mit dem ersten Tag. Die wohl unvermeidliche Diskussion, ob das Fenster im Lager während der Nacht auf oder zu sein soll, wird recht harmonisch beendet: Das Fenster bleibt zu, die Nacht wird trotzdem saukalt. Am nächsten Morgen bekennen nach und nach alle mehr oder weniger beschämt, dass sie sehr gefroren haben und für die nächsten Nächte eine zweite, dritte oder auch vierte Decke einplanen.
Freitag, 06.07.2018
Der angekündigte Dauerregen ist da und wird bis morgen früh auch nicht nachlassen. Darum waren wir auch die einzigen Übernachtungsgäste auf der Hütte, die uns mit einem sehr breiten Treppenhaus überrascht. Dieses nutzen wir als Spielwiese für die Spaltenbergung, die wir sehr ausführlich und mit abwechselnden Rollen durchspielen: Eisschrauben werden ins Treppengeländer gedreht, Flaschenzüge gebaut und vieles mehr. Noch ahnen wir nicht, dass das Treppenhaus unsere einzige Spalte bleiben wird. Unterbrochen werden unsere Übungen immer wieder von geschickt eingestreuten theoretischen Kursinhalten. Außerdem geben sich alle Teilnehmer zusammen mit Carsten, unserem Kursleiter, große Mühe, Routinen und Automatismen im Schafkopf einzuüben und zu festigen. Als besonderes Highlight montiert der Hüttenwirt die Großbildleinwand (Diagonale: geschätzte 15 Zoll), so dass wir die Viertelfinals der Fußball-WM verfolgen können. Deutschland ist zu diesem Zeitpunkt schon längst ausgeschieden, macht aber nichts.zu 08 8 HE AK2 01Quelle Richard Rhrl3
Samstag, 07.07.2018
Im Laufe des Vormittags wird der Regen zum einem sachten Nieseln, also nichts wie raus aus der Hütte und rauf auf den Gletscher. Dort finden wir trotz intensiver Suche im Nebel keine Spalte, weil es neben viel altem auch einiges an neuem Schnee gibt. Die anvisierte praxisnahe Erprobung der Spaltenbergung muss also leider entfallen. Stattdessen beobachten wir aus nächster Nähe, wie Neuschnee großflächig ins Rutschen kommt, wie er langsam und leise aber unaufhaltsam auf uns zu und schließlich doch an uns vorbei gleitet. Daneben wird uns eindrucksvoller Steinschlag geboten, diesen verfolgen wir aber aus sicherer Entfernung. Wegen des späten Aufbruchs von der Hütte geht der Tag schnell vorbei und wir müssen ans Umkehren denken. Immerhin bleibt noch Zeit, Sicherungstechniken im Eis auszuprobieren. Nachdem jeder unter anderem die erstaunlich hohe Stabilität einer selbst ins Eis gebohrten Sanduhr erprobt hat, geht es endgültig zurück zur Hütte. Dort ist dann doch noch eine Stunde Zeit bis zum Abendessen, die wir am benachbarten Felsblock verbringen. Inzwischen sind einige weitere Gäste angekommen. Und während wir uns mit Gardaklemmen abmühen, erklären uns zwei Jungs eindringlich, dass man den Felsblock von der anderen Seite aus doch deutlich einfacher erklimmen könne. Carsten hatte uns diese Option leider verschwiegen, aber für den Abstieg nutzen wir sie gerne!zu 08 8 HE AK2 01 Quelle Richard Rhrl
Sonntag, 08.07.2018
Ein Teilnehmer hatte sich für das Wochenende stabiles Wetter gewünscht. Dieser Wunsch wird erfüllt, denn auch am letzten Tag bekommen wir die Sonne praktisch nicht zu Gesicht. Aber immerhin gibt es auch nur vereinzelte Regentropfen und so brechen wir zur Richterspitze auf. Wir erreichen den Gipfel über einen schönen Klettersteig im alpinen Gelände. An Rundumsicht ist nicht zu denken, trotzdem genießen wir alle unser kleines Gipfelglück. Bald machen wir uns an den Abstieg, schauen noch kurz bei den überaus freundlichen Hüttenwirten vorbei und sind schließlich wieder beim Auto angekommen. Vor der Heimfahrt ziehen wir alle ein gemeinsames Resümee zu unserem Kurs: alles ist ordentlich gelaufen, wir fühlen uns gut ausgebildet und die am ersten Tag geäußerten Erwartungen sind zur allseitigen Zufriedenheit erfüllt. Das liegt nicht zuletzt an einer sehr harmonischen Gruppe, die prima funktioniert hat. Vor allem aber bedanken wir uns bei Carsten, der jeden Teilnehmer auf seinem individuellen Stand abgeholt hat und durch seine umsichtige Kursgestaltung das Beste aus den nicht ganz optimalen äußeren Bedingungen gemacht hat: lieber Carsten, wir haben großen Respekt vor Deinem Einsatz!zu 08 8 HE AK2 01Quelle Richard Rhrl2
Montag, 09.07.2018
Zurück im Büro, die Sonne scheint, die Luft steht, der Schweiß läuft. Die Gedanken schweifen von der Arbeit ab und zurück zum Wochenende: sehr schöne Tage waren es, und Gott sei Dank nicht so heiß!

Autor und Fotos: Michael Reisinger